Pilotprojekt Regionaler Rettungsdienst FMI (Detail-Beschrieb)

  1. Ausgangslage

    Die Zusammenarbeit innerhalb der Spitalgruppe FMI soll auf die Bildung eines Leistungs- und Kompentenz­zentrums ausgerichtet sein, welches im Rahmen eines umfassenden Versorgungsauftrages sowohl die Grund­versorgung als auch speziali­sierte Leistungen und die Notfallversorgung gewährleisten soll.

    In dieses Konzept soll auch der Rettungsdienst integriert werden.

  2. Ziel

    Aus den bestehenden öffentlichen und privaten lokalen Rettungs­diensten wird ein vernetzter, leistungsfähiger Rettungsdienst aufge­baut, welcher die kantonalen Vorgaben erfüllt.

  3. Ist-Zustand

    Es bestehen unabhängige Rettungsdienste an den Spitälern Frutigen, Meiringen und Interlaken mit kantonalem Leistungsauftrag.
    An die privaten Rettungsdienste in Adelboden, Grindelwald und Lauterbrunnen wurde bereits bisher ein Teil der Aufgaben delegiert.
    Zusätzlich bestehen Helikopterbasen der Rega in Gsteigwiler und der Air Glacier in Lauterbrunnen mit welchen bereits eine enge Zusammen­arbeit besteht.

  4. Im Pilotprojekt zu bearbeitende Fragestellungen
    1. Effizienzsteigerung durch regionale Vernetzung
      • Auswirkung des dezentralen Versorgungsansatzes auf die Hilfsfristen
      • Alarmierung und Einsatzführung durch die kantonale Notrufzentrale 144
      • Zusammenarbeit zwischen den beteiligten öffentlichen und privaten Rettungs­diensten
      • Zusammenarbeit mit benachbarten Rettungsdiensten, insbesondere dem RD SGO-A Kontakte/Zusammenarbei mit Organisationen des Rettungs­wesens (SAC, REGA, Wehrdienste, Polizei)
    2. Einbezug der niedergelassenen Aerzte
      • Kontakt/Zusammenarbeit mit den Bezirksvereinen
      • Einsatz/Ausbildung von Einsatzärzten
    3. Finanzielle Auswirkungen der regionalen Vernetzung
      • Kostengünstige Erfüllung erhöhter Anforderungen an Personal und Ausrüstung
      • Kosteneinsparungen durch gemeinsame Evaluation und Beschaffung von Ausrüstung und Fahrzeugen
      • Kosteneinsparung durch Einsatzkoordination
    4. Anwendung einheitlicher Tarife im gesamten Versorgungsgebiet
      • Qualitätsförderung, Optimierung der Ausbildung des Personals
      • Verwendung eines einheitlichen Einsatzprotokolles
      • Standardisierte Einsatzbesprechung (Debriefing)
      • Einführung von standardisierten Behandlungsabläufen für wieder­kehrende Notfallsituationen
      • Regelmässige Fortbildungsveranstaltungen für die beteiligten Rettungsdienste
      • Gemeinsame Nutzung von Ausbildungsressourcen mit benachbarten Rettungsdiensten
      • Gemeinsame Ausbildungsveranstaltungen mit weiteren Organisationen des Rettungswesens Vorbereitung
      • Gemeinsamer Ablaufszenarien für ausserordentliche Lagen
    5. Uebertragbarkeit des Modells auf andere Regionen

  5. Projekt Regionaler Rettungsdienst FMI:
    1. Einleitung

      Einerseits ist auch das Rettungswesen durch den allgemeinen Spardruck betroffen, andererseits stehen gesetzliche Neuerungen betreffend der qualitativen Anforderungen an die Rettungsdienste im Kanton Bern an.
      Aufgrund der Distanzen und der Besonderheiten der Rettungseinsätze in Berggebieten würde eine Zentralisierung der Rettungsdienste im östlichen Oberland unseres Erachtens zu einer erheblichen Verschlech­terung der Notfall­versorgung der Bevölkerung führen.

      Die privaten Rettungsdienste sind aus einem Bedürfnis der Bevölkerung und der Volkswirtschaft (Tourismus) entstanden.

      Um die Vorteile der dezentralen Versorgung zu erhalten und gleich­zeitig die zunehmenden Anforderungen an die Rettungsdienste zu erfüllen, drängt sich als Lösung eine Vernetzung und damit der Erhalt der bestehenden öffentlichen und privaten Rettungsdienste im Einzugs­gebiet der Spitäler FMI auf.

    2. Auftrag und Ziele
      • Sicherstellung von Notfalleinsätzen mit kompetenter medizinischer Erstversorung und von Krankentransporten im gesamten Einzugs­gebiet der Spitäler FMI.
      • Erfüllung der kantonalen Vorgaben, Nutzung regionaler Synergien.
      • Einsatzführung durch die kantonale Einsatzleitstelle 144 für das gesamte Einsatzgebiet.
    3. Standorte, Versorgungsgebiete, Partner
      • Rettungsdienste der Spitäler Frutigen, Meiringen, Interlaken
      • private Ambulanzdienste Adelboden, Grindelwald, Lauterbrunnen
        Die Versorgungsgebiete entsprechen prinzipiell den bisherigen Einsatz­gebieten der einzelnen Rettungsdienste.
        Gebietsübergreifende Koordination mit gegenseitiger Aushilfe bei D3-Einsätzen.
      • Partner im Verorgungsgebiet, benachbarter Rettungsdienst:
        Helikopterbasen REGA Gsteigwiler, Air-Glacier Lauterbrunnen
        Rettungsdienst der SGO-A
    4. Mögliche Vorteile der Vernetzung
      • Kostengünstige Lösung dank Zusammenarbeit bereits existierender öffentlicher und privater Rettungsdienste.
      • Aufrechterhaltung einer dezentralen Versorgung mit kurzen Distanzen und guten Ortskenntnissen.
      • optimale Auslastung der vorhandenen Ressourcen durch gegenseitige Koordination und Einsatzführung durch die kantonale Notruf­zentrale.
      • Aufrechterhaltung der "Aufwachsfähigkeit" in ausserordentlichen Lagen bei grossem Patientenanfall resp. im Katastrophenfall.
      • gemeinsames Qualitätsmanagement, Vereinheitlichung der Einsatzdoktrin, gemeinsame Aus- und Weiterbildung

  6. Evaluationsverfahren Die erhobenen Daten sollen transparent gehandhabt werden. Das Datenmaterial ist regelmässig durch die Begleitgruppe zu evaluieren.
    1. Messgrössen
      Die zu evaluierenden Messgrössen werden bewusst weitgehend entsprechend dem Pilotprojekt der SGO-A ausgestaltet:
      • Einsatzzeiten der Rettungsdienste: Hilfsfristen (Alarm bis Eintreffen vor Ort); Ausrückzeiten (Alarm bis Ausrücken); aufgewendete Zeit vor Ort; durchschnittliche Einsatzdauer.
      • Ablauf bei Arztbeizug (Notfallarzt resp. Einsatzarzt): Hilfsfristen (Alarm bis Eintreffen vor Ort); Ausrückzeiten (Alarm bis Ausrücken); aufgewendete Zeit vor Ort; durchschnittliche Einsatzdauer
      • Dokumentation der Einsatzmittel und Ausbildungsstand der Equipen bei allen D1- und D2 Einsätzen
      • Einsatzzahlen je Region bzw. Einzugsgebiet der beteiligten Rettungsdienste
      • Kundenzufriedenheit (Patienten, niedergelassene Aerzte, Gemeinden)
    2. Erhebungsinstrumente
      Da die zu evaluierenden Messgrössen entsprechend dem Pilotprojekt der SGO-A ausgestaltet werden, sollen aus Gründen der Vergleich­barkeit wenn immer möglich Evaluationsinstrumente eingesetzt werden, welche in diesem Projekt bereits erarbeitet wurden:
      • Systematische Auswertung des Einsatzprotokolls
      • Evaluation der standartisierten Einsatzbesprechung
      • Outcome-orientierte Patientenerfassung
      • Fragebogen für Patienten, Aerzte, Bezirks- und Gemeinde­behörden
      • Befragungen in Fokus-Gruppen

  7. Finanzierung Nicht alle Teile des Projektes können im Rahmen des Leistungsauftrages der Rettungsdienste finanziert werden. Ueber zusätzlich zu erwartenden Kosten orientiert die beiliegende Aufstellung.

  8. Aufbau der Projektorganisation (s. Beilage)
    1. Projektleitung
      Projektleiter Dr. med. Paul Günter
      Chefarzt Anästhesie, Spital Interlaken
      Stv. Projektleiter Dr.med. Marco Negri
      Co-Chefarzt Medizin, Spital Frutigen
      Rettungssanitäter Martin Hofer
      Leiter Rettungsdienst Spital Interlaken
      Niedergelassener Arzt Dr. med. Karl Haefele
      Allgemeine Medizin FMH; Innertkirchen
      Vertreter Spitäler FMI Heinz Witschi
      Verwaltungsdirektor, Spital Meiringen
      Vertreter Private RD Yvonne Bergmann
      Ambulanzdienst Bergmann, Adelboden
    2. Projektarbeitsgruppen
      Die Projektleitung setzt zur Bearbeitung von Sachfragen Arbeits­gruppen ein, z.B. AG Alarmierung/Koordination, AG Ausbildung/ Weiterbildung, AG Anschaffungen, etc
    3. Begleitkomitee
      Es wird ein breit abgestütztes Begleitkomitee gebildet mit Vertretern der Behörden und möglichst aller am Rettungswesen beteiligten Instanzen und der Partnerorganisationen. In diesem Gremium wird periodisch über den Stand des Projekts orientiert.
    4. Projektevaluationsgruppe
      Diese setzt sich aus einem ständigen Ausschuss des Begleitkomitees zusammen und ist zusammen mit der Projektleitung für die laufende Evaluation des Projektes verantwortlich. Die Zusammensetzung wird weitgehend analog zur Begleitgruppe des Projekts SGO-A vorgesehen mit Vertretern der lokalen Behörden, der GEF, der Sanitätspolizei, der Aerzteschaft und ev. anderer Interessengruppen. Ueber die definitive Zusammensetzung soll im Plenum des Begleitkomitees entscheiden werden


Unter Vorbehalt der Genehmigung durch die Gesundheits- und Fürsorgedirektion soll das Projekt ab 1. 7. 2000 gestartet werden.

Dieser Projektbeschrieb wurde an der Sitzung der Projektleitung vom 18. 1. 2000 erarbeitet und wird dem Begleitkomitee am 2. 2. 2000 zur Genehmigung vorgelegt.