Pilotprojekt dezentrale Rettungsorganisation - Mehr Sicherheit im Berggebiet
In einem beispielhaften Verbund von Spitälern, privaten Rettungsdiensten und lokalen Ärzten steht der Bevölkerung ab 1. Juli im Berner Oberland ein Rettungsnetz für eine optimale Versorgung zur Verfügung. Die Erfahrungen aus diesem Pilotprojekt werden in die Organisation des Rettungswesens im ganzen Kanton einfliessen.
In den Berner Oberländer Amtsbezirken Frutigen, Oberhasli und Interlaken, in der sogenannte Spitalregion FMI (Frutigen, Meiringen, Interlaken), wird eine Bevölkerung von rund 65'000 Menschen mit dem Rettungsangebot versorgt. In der touristischen Hochsaison schwillt diese Zahl meist um mehr als das Doppelte an und verlangt eine straffe Organisation. Vordergründigstes Zeichen der Veränderung ist für die Bevölkerung die Notfall-Nummer 144. Im lebensbedrohlichen Notfall wird die Hilfe neu am schnellsten über die Nummer 144 eingeleitet, welche die Spitäler avisiert, die privaten Rettungsdienste aufbietet oder die Einsatzärzte vor Ort zum Notfallort beordert. Die Notfallnummer 144 läuft über die Einsatzzentrale der Sanitätspolizei. Sie verfügt ab sofort über alle nötigen Informationen, um die Ambulanzen aufzubieten, die sich am nächsten beim Notfall-Ort befinden. Das bringt, - wie Projekt-Leiter Dr. Paul Günter, Chefarzt am Spital Interlaken an der Pressekonferenz vom Freitag zusammenfasste - ein Rettungsdispositiv das noch schneller, besser und auch günstiger ist als bisher. Schneller weil 144 über die modernsten Kommunikationsmittel verfügt; besser, weil sich die Rettungsgruppe FMI fachlich verbessern will und günstiger, weil durch die gegenseitige Unterstützung personelle und materielle Synergieeffekte entstehen.
Das Pilot-Projekt dezentrale Rettungsorganisation ist Teil eines Struktur-bereinigungsprozesses im Gesundheitswesen des Kantons Bern. An der Pressekonferenz in Interlaken wies Gesundheits- und Fürsorgedirektor Samuel Bhend nachdrücklich darauf hin, dass die durch Schliessungen von Spitalabteilungen und Akutspitalstandorte aufgewühlte und verunsicherte Bevölkerung die Gewissheit braucht, dass die Bernische Gesundheitsversorgung und insbesondere auch der Rettungsdienst optimal funktioniert. An diesem Prozess wird unter kantonaler Federführung dauernd gearbeitet.
Die Gesundheitsversorgung hat hohe Priorität. Doch - so Regierungsrat Bhend - "unsere Versorgungsstrukturen müssen langfristig wirtschaftlich tragbar sein." "Die Bündelung der Kräfte muss weiter gehen, die Leistungsanbieter müssen ihr Angebot noch stärker aufeinander abstimmen und miteinander vernetzen." "Die Rettungs-dienste müssen ihre Leistungen angesichts knapper werdender Mittel und wachsender Anforderungen an das Personal und an das Material erfüllen."
Die nun im Pilot-Projekt FMI gewonnenen Erkenntnisse sollen in weitere Arbeiten einfliessen, um das Rettungswesen im Kanton zu optimieren. Die Notfall-Nummer 144 - welche bisher hauptsächlich in der Stadt Bern und Agglomeration genutzt wurde - soll schrittweise in allen Regionen des Kantons Bern eingeführt werden. Von grosser Bedeutung sind dabei auch die niedergelassenen Ärzte und Ärztinnen, die bei schweren Unfällen oder Erkrankungen am Ereignisort bei der Erstversorgung von Notfallpatientinnen und -patienten Hilfe leisten können. Sie sind beim Projekt FMI vermehrt und systematischer als bisher ins tägliche Notfallgeschehen einbezogen.
Mit einer breiten Informationskampagne wird die Bevölkerung über die neue Situation in der Spitalregion FMI orientiert und auf die Dienstleistung der Notfall-Nummer 144 aufmerksam gemacht. In Anbetracht der ausländischen Gäste wird mit Hilfe des örtlichen Hotelgewerbes, der Ärzte und Apotheker auch in englischer Sprache informiert.